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“Don’t take your guns to town. Johnny Cash und die Amerikaner in Landsberg 1951-54“

 

Ausstellung 10.10.2015 – 28.2.2016   

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 „Don’t Take Your Guns To Town“ – Nimm Deine Schusswaffen nicht mit in die Stadt! – So wurden die amerikanischen Soldaten ermahnt, die in den 1950er Jahren auf dem Fliegerhorst Penzing stationiert waren, wenn sie Ausgang in die Stadt Landsberg bekamen.

Einer von ihnen war Johnny Cash, der aus Arkansas stammte und nach seiner Rückkehr in die USA 1954 eine Weltkarriere als Sänger und Musiker begann. Zu Lebzeiten Legende, der wohl berühmteste Countrysänger der Welt. 1951 als Neunzehnjähriger war er noch ein Nobody.

Drei Jahre war Cash auf dem Truppenstandort Penzing stationiert. Als ausgebildeter Funker war er Abhörspezialist der 12. Mobilen Funkschwadron (12th radio squadron mobile) auf der Landsberg Air Base. Diese Einheit war darauf spezialisiert, die Morsesignale des sowjetischen Funkverkehrs abzuhören. Im Morsen war Cash überragend. „Mein linkes Ohr war so gut, dass ich in Landsberg, von wo aus der Sicherheitsdienst der US Air Force weltweit den Funkverkehr überwachte, als absolutes Ass galt.“ Hier soll er im März 1953 als erster Mensch des Westens die Nachricht von Stalins Tod aus dem Äther gefischt haben.

Um seine Zeit in Landsberg ranken sich zahlreiche Geschichten, manche stimmen, andere wieder nicht. Es stimmt, dass er seine erste Gitarre im Musikhaus Ballach an der Ecke Schulgasse/ Hinterer Anger gekauft hat und seine erste Band auf dem Truppenstützpunkt gegründet hat: die „Landsberg Barbarians“, eine leicht zu erkennende Anspielung auf die in Landsberg verlegte Truppenzeitung „The Landsberg Bavarian“.  

Eine schöne Geschichte, aber Unsinn ist die Behauptung, der Songtext zu „I Walk the Line“ sei in Landsberg entstanden, als Cash in einem Hobbyverein Fußball gespielt und die Mitspieler ihm zugerufen hätten „Johnny, lauf Linie!“. Wahr ist indes, dass er das Lied für seine Verlobte Vivian Liberto schrieb, die er einige Monate vor seiner Ausreise aus den USA kennen gelernt hatte. Fast täglich schrieb er ihr einen Liebesbrief, denn – und das ist heute fast unvorstellbar – den Mannschaftsdienstgraden war lediglich ein Telefonat im Jahr erlaubt!

Cash hat in Landsberg ganz ähnliches erlebt wie zahlreiche andere amerikanische Soldaten, die von zu Hause getrennt waren und mit Heimweh kämpften. Sein Lebensweg zwischen 1951 und 1954 steht stellvertretend für hunderttausende von jungen amerikanischen Männern, die sich wie er zur US-Armee verpflichteten, über Bremerhaven nach Deutschland eingeschifft wurden und in Westdeutschland meist für drei Jahre Dienst taten.

Seit 1945 haben nicht weniger als 22 Millionen US-Angehörige der Streitkräfte, Angestellte und ihre Familien in Deutschland gelebt, weshalb man auch davon spricht, dass die US-Militärpräsenz in Deutschland zu den „größten Kulturaustauschprogrammen“ in der Weltgeschichte gehört.

Neben der Politik der Demokratisierung „von oben“ wurde Westdeutschland in den 1950er Jahren zunehmend zum Aufnahmeland einer demokratischen Populärkultur „von unten“. Diese populärkulturellen Einflüsse wurden in erster Linie durch die Soldaten persönlich transportiert: Das als lässig und besonders männlich empfundene Auftreten der in Deutschland stationierten GIs fand ebenso seine Nachahmer wie neue Frisuren, Kleidung und Musik, die  ab den 1950er Jahren aus den USA nach Europa herüberschwappten. 

In dieser Hinsicht ist Johnny Cash als Vertreter amerikanischer Musikstile wie Country und Rockabilly ein besonders prominenter Botschafter des „American Way of Life“. Nahmen doch seine eigenen musikalischen Anfänge ihren Ausgang in seiner Militärzeit in Landsberg. Hier schrieb er Songs wie „Wide Open Road“ oder die 1958 veröffentlichte Country-Ballade „Don’t take your guns to town“, ein Lied über einen jungen Mann namens Billy Joe, dessen Name eine Anspielung auf den Kameraden Billy Joe Carnahan ist, mit dem Cash auf dem Fliegerhorst musizierte. Die Idee zum Hit „Blue Suede Shoes“ wie die Inspiration zum „Folsom Prison Blues“ stammen  ebenfalls aus der Zeit bei der Air Force. Der aus heutiger Sicht berühmteste Soldat der amerikanischen Besatzungszeit in Landsberg hat seine Erfahrungen und Erinnerungen an Deutschland in Musik verwandelt.

Das Stadtmuseum Landsberg thematisiert die amerikanische Truppenpräsenz und Johnny Cashs Stationierungszeit von 1951-54  in Landsberg anhand von Exponaten, Zeitzeugeninterviews von US-Veteranen und Landsberger Bürgern sowie bislang unveröffentlichter Fotografien Johnny Cashs aus Privatbesitz.

Begleitend erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Philipp Gassert, Stefan Paulus, Tobias Brenner, Edith Raim, Willi Winkler und Judith Schnaubelt im Volk Verlag.

 

 

 

Cash und Kameraden auf der Landsberg Air BaseCash und Simmons im Arkadenhof Fliegerhorst PenzingLogo Cashs Einheit 12th radio squadron mobileStubenkamerad Bill Harrell Beliebtes Ausflugsziel der Soldaten Gasthof GogglAirmens Club LABAirmens Club LAB Juni 1952Ankunft amerikanischer Truppeneinheiten Sommer 1951 in Bremerhaven